Warum hängt man Amaryllis kopfüber auf?

Auf den ersten Blick sieht es vielleicht etwas seltsam aus: Amarylliszwiebeln, die kopfüber an Haken, Kränzen oder Fensterrahmen hängen, während ihre Blütenstiele nach oben wachsen. Doch hinter dieser ungewöhnlichen Dekoration steckt tatsächlich eine clevere Idee. Gerade in der Vorweihnachtszeit sieht man hängende Amaryllis immer häufiger in Blumenläden und Gartencentern. Aber woher kommt dieser Trend eigentlich?

Unser Blumenexperte David Denyer verrät, was dahintersteckt und wie du dir diesen besonderen Hingucker im Winter ganz einfach nach Hause holst.


Was ist eine gewachste Amaryllis?

Bevor wir uns ans Aufhängen machen, schauen wir uns die Blumenzwiebel selbst etwas genauer an.

Bei gewachsten Amaryllis handelt es sich um ganz normale Amarylliszwiebeln (botanisch gesehen gehören sie zur Gattung Hippeastrum, aber die meisten kennen sie einfach als Amaryllis). Ihre Wurzeln werden gekürzt und die Zwiebeln anschließend mit einer Schicht farbigem Wachs überzogen.

Das Besondere daran: Die Amaryllis kann ganz ohne Erde und zusätzliches Wasser blühen. Die Wachsschicht hält die vorhandene Feuchtigkeit in der Zwiebel, während diese auf ihre gespeicherten Nährstoffe zurückgreift. Du brauchst also weder einen Blumentopf noch eine Gießkanne. Stell die Zwiebel einfach an einen hellen Platz und nach etwa vier bis sechs Wochen zeigen sich die wunderschönen, trompetenförmigen Blüten.

Kein Wunder also, dass gewachste Amaryllis in Großbritannien zu den beliebtesten Blumendekorationen zur Weihnachtszeit gehören. Sie sind außerdem eine tolle Geschenkidee für alle, die sich im Winter über prächtige Blüten freuen möchten, ohne sich groß um die Pflege kümmern zu müssen.

Warum hängt man Amaryllis kopfüber auf?

Der Trend kommt vermutlich aus den Niederlanden und Skandinavien, wo Amaryllis schon lange zur Winter- und Weihnachtszeit dazugehören. Von dort aus hat sich die Idee nach und nach auch in Großbritannien verbreitet.

Da gewachste Amarylliszwiebeln keine Erde benötigen, kannst du sie praktisch überall dekorieren. Und besonders schön sehen sie aus, wenn sie kopfüber hängen!

Das ist nicht nur ein echter Hingucker, sondern auch ziemlich praktisch. Gerade zur Weihnachtszeit, wenn Fensterbänke und Tische schon voller Deko stehen, lässt sich so der Platz optimal nutzen. Besonders eindrucksvoll wirken mehrere Amaryllis, die in unterschiedlichen Höhen hängen. Fast wie ein kleiner schwebender Blumengarten!

Und noch etwas spricht dafür: Amaryllis haben große, schwere Blüten. Steht eine gewachste Zwiebel einfach auf dem Tisch, kann sie leicht umkippen, sobald sich die Blüten öffnen. Hängt sie dagegen kopfüber, verteilt sich das Gewicht ganz natürlich nach unten.

Illustration einer roten, kopfüber hängenden Amaryllis

Wächst eine Amaryllis auch kopfüber nach oben?

Ja, und genau das macht diese Dekoration so besonders! Dahinter steckt ein natürlicher Vorgang namens Phototropismus. Das bedeutet, dass Pflanzen in Richtung Licht wachsen.

Ganz egal, wie herum du die Amaryllis aufhängst: Ihr Blütenstiel orientiert sich am Licht. Statt gerade nach unten zu wachsen, macht er einen eleganten Bogen nach oben und richtet sich beispielsweise zum nächsten Fenster aus.

Diese geschwungene Form verleiht der hängenden Amaryllis ihren ganz besonderen Charme. Wenn du die Zwiebel alle paar Tage ein wenig drehst, wächst der Stiel gleichmäßiger und neigt sich nicht zu stark in eine Richtung.

Gewachste Amaryllis aufhängen: So einfach geht's

Du möchtest den Trend selbst ausprobieren? Mit diesen Tipps wird deine hängende Amaryllis zum echten Hingucker:

1. Die Unterseite überprüfen: Viele gewachste Amarylliszwiebeln haben bereits eine Drahtspirale an der Unterseite, an der du sie aufhängen kannst. Falls nicht, wickle vorsichtig etwas Blumendraht um den gewachsten unteren Teil der Zwiebel. Achte darauf, sie dabei nicht zu beschädigen.

2. Den richtigen Platz finden: Amaryllis mögen es hell, aber nicht zu warm. Ein kühler, heller Raum ohne direkte Heizungswärme ist ideal, damit du möglichst lange Freude an den Blüten hast.

3. Genügend Platz lassen: Die Blütenstiele können 40 bis 60 cm lang werden. Plane deshalb ausreichend Platz nach oben und unten ein.

4. Mehrere Amaryllis kombinieren: Eine Amaryllis ist schön, drei sind noch schöner! Hänge mehrere Zwiebeln mit Bändern oder Schnüren in unterschiedlichen Höhen auf. So entsteht ein besonders dekorativer Look.

5. Mit winterlichem Grün dekorieren: Kombiniere deine hängenden Amaryllis mit einem Weihnachtskranz, einer Girlande oder ein paar Eukalyptuszweigen. Das sorgt für eine besonders festliche Atmosphäre.

So pflegst du eine hängende Amaryllis

Das Beste an einer gewachsten Amaryllis? Sie ist unglaublich pflegeleicht! Du musst sie weder gießen noch düngen oder umtopfen. Die Zwiebel bringt alles mit, was sie zum Blühen braucht.

Achte lediglich darauf, dass sie nicht in der Zugluft oder direkt neben einer Heizung hängt. Kontrolliere außerdem etwa einmal pro Woche, ob Draht oder Band noch sicher befestigt sind. Schließlich wird der Blütenstiel mit der Zeit immer schwerer.

Und wie lange blüht eine Amaryllis eigentlich? An jedem Blütenstiel bilden sich normalerweise drei bis sechs Blüten, die sich nach und nach öffnen. So kannst du dich etwa zwei bis drei Wochen lang an ihrer Blütenpracht erfreuen.

In einem kühleren Raum halten die Blüten oft sogar noch etwas länger. Größere Zwiebeln bilden manchmal einen zweiten Blütenstiel, sobald der erste verblüht ist.

Was tun mit der Amaryllis nach der Blüte?

Da eine gewachste Amaryllis ausschließlich von den Reserven ihrer Zwiebel lebt, wird sie meist nur für eine Saison verwendet. Sobald die Blüten verwelkt sind, wird die Zwiebel normalerweise entsorgt.

Du möchtest deiner Amaryllis eine zweite Chance geben? Dann kannst du versuchen, die Wachsschicht vorsichtig zu entfernen und die Zwiebel in einen Topf mit gut durchlässiger Blumenerde zu pflanzen. Wichtig ist, dass das obere Drittel der Zwiebel aus der Erde herausschaut.

Wenn du sie im Frühling und Sommer regelmäßig gießt und düngst, bildet sie mit etwas Glück neue Blätter und sammelt wieder Kraft für die nächste Blüte. Eine Garantie gibt es dafür allerdings nicht. Einen Versuch ist es aber auf jeden Fall wert!

Wenn du deine Amaryllis lieber über mehrere Jahre behalten möchtest, greifst du am besten gleich zu einer ungewachsten Zwiebel und pflanzt sie ganz klassisch in einen Blumentopf.

Aber wann ist eigentlich die beste Zeit, um Amarylliszwiebeln zu pflanzen? Ideal ist der Zeitraum von Oktober bis Januar, etwa sechs bis acht Wochen bevor du dich an den ersten Blüten erfreuen möchtest.

Eine besondere Weihnachtsdeko mit Amaryllis

Warum die Amaryllis einfach auf den Tisch stellen, wenn sie auch kopfüber wunderschön aussieht? Gewachste Amaryllis lassen sich ganz ohne Erde und Blumentopf dekorieren und sorgen mit ihren großen Blüten für einen echten Wow-Effekt.

Ob einzeln am Fenster oder gleich mehrere in unterschiedlichen Höhen über dem Esstisch: Hängende Amaryllis sind eine originelle Weihnachtsdekoration, die kaum Pflege braucht und trotzdem richtig was hermacht.

Du möchtest deine Amaryllis lieber ganz klassisch im Topf zum Blühen bringen? Dann schau dir unseren Ratgeber Amaryllis zu Weihnachten zum Blühen bringen an. Dort erfährst du, wie du dafür sorgst, dass sich ihre wunderschönen Blüten pünktlich zum Weihnachtsfest öffnen.